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Thuluth ist ein großer, schwungvoller Repräsentationsstil der arabischen Kalligrafie, der für Überschriften, Moschee-Inschriften und prunkvolle Kompositionen verwendet wird und als anspruchsvollste der klassischen Schriften gilt.

Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Nicht-lateinische Schriften · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Sülüs (türkisch), al-khatt al-thuluth

Was ist Thuluth?

Thuluth ist ein arabischer Kalligrafie-Stil mit hohen, geschwungenen Buchstaben und reicher Verflechtung. Der Name bedeutet „ein Drittel" und verweist vermutlich auf eine Proportionsregel. Thuluth gilt als der prachtvollste und technisch anspruchsvollste Stil der arabischen Kalligrafie.

Erklärung

Thuluth entwickelte sich im 9. und 10. Jahrhundert und wurde zur bevorzugten Schrift für monumentale und repräsentative Zwecke. Charakteristisch sind lange, gebogene Aufstriche, kräftige Schwünge und die Möglichkeit, Buchstaben übereinanderzustapeln und kunstvoll zu verschlingen. Anders als der nüchterne Naskh erlaubt Thuluth große gestalterische Freiheit und komplexe Kompositionen, in denen Wörter ineinandergreifen.

Thuluth gehört zu den klassischen sechs Schriften und gilt als Prüfstein kalligrafischen Könnens: Wer Thuluth meistert, beherrscht die schwierigsten Proportionen. Häufig wird Thuluth für die Titelzeile genutzt, während der Fließtext in Naskh folgt. Gegenüber dem eckigen Kufi ist Thuluth runder und beweglicher, gegenüber der Kanzleischrift Diwani klarer strukturiert. Damit nimmt Thuluth im System der arabischen Kalligrafie die Rolle der „Königsschrift" für Repräsentation ein.

Beispiele

  • Beispiel 1: Die Inschriftenbänder der Hagia Sophia in Istanbul (osmanische Medaillons).
  • Beispiel 2: Monumentale Suren-Bänder an Moscheen und Kuppeln.
  • Beispiel 3: Titelseiten und Kapitelüberschriften in Prachthandschriften.
  • Beispiel 4: Sultanstugra-nahe Repräsentationsschriften des osmanischen Hofes.
  • Beispiel 5: Zeitgenössische Kalligrafie-Kunst mit verschlungenen Thuluth-Kompositionen.

In der Praxis

Thuluth verlangt einen breit geschnittenen Qalam und sehr genaue Kontrolle über Druck und Winkel. Lernende üben Thuluth meist erst nach Naskh, weil die langen Schwünge und die freie Komposition viel Erfahrung erfordern. Designer/innen greifen Thuluth auf, wenn sie würdevolle, festliche oder sakrale Wirkung suchen; für reinen Lesetext ist es ungeeignet.

Vergleich & Abgrenzung

Thuluth wird oft mit Naskh in einem Werk kombiniert, erfüllt aber eine andere Funktion.

MerkmalThuluthNaskh
Größegroßklein
ZweckTitel, InschriftLesetext
Kompositionverschlungen, gestapeltlinear, gleichmäßig

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Thuluth und Naskh? Thuluth ist groß, schwungvoll und für repräsentative Titel und Inschriften gedacht, während Naskh klein und nüchtern für laufende Lesetexte verwendet wird.

Warum gilt Thuluth als schwieriger Stil? Die langen Schwünge, das Stapeln der Buchstaben und die freie Komposition verlangen präzise Kontrolle der Feder und gelten als Prüfstein für das Können von Kalligrafen/innen.

Weiterführend

  • Schimmel, Annemarie (1990): Calligraphy and Islamic Culture. New York University Press.
  • Blair, Sheila S. (2006): Islamic Calligraphy. Edinburgh University Press.
  • Safadi, Yasin Hamid (1978): Islamic Calligraphy. Thames & Hudson.
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