Arabische Kalligrafie ist die kunstvolle Gestaltung der arabischen Schrift, die als ranghöchste Bildkunst des islamischen Kulturraums gilt und in zahlreichen Stilen von der eckigen bis zur fließenden Form ausgeprägt ist.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Nicht-lateinische Schriften · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: islamische Kalligrafie, Khatt, arabische Schriftkunst
Was ist Arabische Kalligrafie?
Die arabische Kalligrafie ist die Kunst des schönen Schreibens der arabischen Schrift. Sie verbindet ein streng geregeltes Proportionssystem mit künstlerischer Freiheit und gilt im islamischen Kulturraum als eine der höchsten Ausdrucksformen, weil die figürliche Darstellung im sakralen Kontext zurücktritt.
Erklärung
Die arabische Schrift wird von rechts nach links geschrieben und ist eine Verbindungsschrift: Buchstaben ändern ihre Form je nach Position im Wort. Diese Eigenschaft macht die arabische Kalligrafie besonders gestaltungsreich, da Kalligrafen/innen Buchstaben dehnen, stapeln und verschlingen können. Seit dem 8. Jahrhundert entwickelten sich verschiedene Stile, die durch das Proportionssystem des Wesirs Ibn Muqla (gestorben 940) und später durch Ibn al-Bawwab (gestorben 1022) normiert wurden. Grundlage ist der Rautenpunkt der Rohrfeder (Qalam), der als Maßeinheit für die Buchstabenhöhe dient.
Zu den klassischen sechs Schriften (al-aqlam al-sitta) zählen unter anderem Naskh, Thuluth und Riqa. Daneben stehen die monumentale Kufi sowie regionale Kanzlei- und Hofschriften wie Diwani und das persisch geprägte Nastaliq. Die arabische Kalligrafie ist nicht nur Schreibtechnik, sondern Träger religiöser, höfischer und dekorativer Funktionen — von Koranhandschriften über Architekturinschriften bis zur modernen Kunst.
Beispiele
- Beispiel 1: Koranhandschriften, deren Verse in Naskh oder Thuluth ausgeführt sind.
- Beispiel 2: Architekturinschriften an Moscheen, etwa die Kufi-Bänder der Großen Moschee von Córdoba.
- Beispiel 3: Osmanische Urkunden in der schwer lesbaren Kanzleischrift Diwani.
- Beispiel 4: Persische Dichtung, kalligrafiert im hängenden Nastaliq-Stil.
- Beispiel 5: Zeitgenössische „Kalligraffiti", die arabische Schrift mit Street-Art verbinden.
In der Praxis
Wer arabische Kalligrafie erlernt, beginnt meist mit dem zugeschnittenen Rohr- oder Bambus-Qalam und Russtinte. Der Schnittwinkel der Feder bestimmt den Strichkontrast. Lehrlinge üben zunächst einzelne Buchstaben nach dem Punktsystem, bevor sie Wörter und ganze Kompositionen anlegen. Traditionell wird ein/e Schüler/in nach Jahren von einem Meister mit der Idschaza (Lehrerlaubnis) ausgezeichnet. Digitale Werkzeuge und Fontdesign greifen die Stile heute auf, ersetzen aber nicht die handwerkliche Schulung.
Vergleich & Abgrenzung
Die arabische Kalligrafie unterscheidet sich von der ostasiatischen Pinselkalligrafie durch Werkzeug und Schreibrichtung.
| Merkmal | Arabische Kalligrafie | Ostasiatische Kalligrafie |
|---|---|---|
| Werkzeug | Rohrfeder (Qalam) | Pinsel |
| Schreibrichtung | rechts nach links | meist Spalten oben nach unten |
| Grundlage | Buchstaben-Proportionssystem | Zeichen-Strichfolge |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen arabischer Kalligrafie und einem normalen arabischen Font? Ein Font ist ein standardisiertes Schriftsystem für den Druck; die arabische Kalligrafie ist eine handwerkliche Kunst mit individuellen Proportionen, Ligaturen und Komposition, die sich am Punktsystem des Qalam orientiert.
Welche Stile gehören zur arabischen Kalligrafie? Klassisch sind Kufi, Naskh, Thuluth, Riqa, Diwani und Nastaliq. Sie unterscheiden sich in Strichführung, Lesbarkeit und Verwendungszweck.
Weiterführend
- Schimmel, Annemarie (1990): Calligraphy and Islamic Culture. New York University Press.
- Blair, Sheila S. (2006): Islamic Calligraphy. Edinburgh University Press.
- Gaur, Albertine (1994): A History of Calligraphy. British Library.

