Kufi ist der älteste und bekannteste eckig-geometrische Stil der arabischen Kalligrafie, benannt nach der Stadt Kufa im Irak und vor allem für frühe Koranhandschriften und Architekturinschriften verwendet.
Rubrik: Kalligrafie · Unterrubrik: Nicht-lateinische Schriften · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: kufische Schrift, Kufic, al-khatt al-kufi
Was ist Kufi?
Kufi ist ein arabischer Kalligrafie-Stil, der sich durch gerade, eckige Linien und ein geometrisches Erscheinungsbild auszeichnet. Als ältester ausgereifter Schriftstil prägte Kufi die frühen Koranhandschriften und ist bis heute ein Sinnbild monumentaler arabischer Schriftkunst. Seine strenge Horizontalität und die kräftigen, kurzen Vertikalen verleihen Kufi-Inschriften eine zeitlose Würde.
Erklärung
Der Name Kufi leitet sich von der irakischen Stadt Kufa ab, einem frühen Zentrum islamischer Gelehrsamkeit im heutigen Irak. Vom 7. bis ins 10. Jahrhundert war Kufi die dominierende Schrift für den Koran. Charakteristisch sind kurze senkrechte und lange waagerechte Striche, ein niedriger Strichkontrast und eine streng horizontale Ausrichtung. Frühe Kufi-Handschriften wurden oft ohne Vokalzeichen und Diakritika geschrieben; erst im Laufe des 8. Jahrhunderts kamen Punkte zur Buchstabenunterscheidung und farbige Vokalpunkte hinzu.
Vor dem Aufkommen der klassischen Kufi-Form existierte im 7. Jahrhundert der sogenannte Hijazi-Stil: ein schräger, noch unvollständig normierter Schrifttyp aus dem Hedschas, der in den frühesten erhaltenen Koranfragmenten wie dem Codex Sana'a überliefert ist. Kufi entwickelte sich aus diesem Vorläufer heraus und wurde zunehmend formalisiert.
Im Lauf der Zeit entwickelten sich mehrere ausgeprägte Kufi-Varianten. Das quadratische Kufi (Bannai-Kufi) ordnet Buchstaben auf einem strengen Raster an und wurde in der Architektur mit glasierten Ziegeln und Terrakottafliesen realisiert, besonders an iranischen und zentralasiatischen Moscheen des 11. bis 14. Jahrhunderts. Das florale Kufi lässt die Enden der Buchstaben in Blattranken auslaufen und verbindet Schrift mit ornamentalen Arabesken. Das geflochtene Kufi (Muschabbak) verschlingt Buchstabenschäfte zu bandartigen Knoten, was es besonders für Metallobjekte und Bucheinbände attraktiv machte.
Kufi gehört nicht zu den klassischen sechs Schriften der arabischen Kalligrafie, die durch Ibn Muqla normiert wurden; stattdessen gilt es als deren historischer Vorläufer und stilistischer Gegenpol. Anders als die runden Schriften Naskh oder Thuluth bleibt Kufi durch seine Eckigkeit besonders gut für Stein, Metall, Keramik und Ziegelverbände geeignet. Im Bereich der Münzkunde prägte Kufi über vier Jahrhunderte die Inschriften der umayyadischen und abbasidischen Münzen, was Historiker/innen als verlässliche Datierungsquelle nutzen.
Beispiele
- Beispiel 1: Frühe Pergament-Korane des 8.–9. Jahrhunderts in breitem, querformatigem Kufi (z.B. Fragmente aus Sanaa und im Chester Beatty Museum Dublin).
- Beispiel 2: Quadratisches Kufi an der Freitagsmoschee von Ardistan (Iran, 11. Jh.), aus glasierten Ziegeln gesetzt.
- Beispiel 3: Münzinschriften der Umayyaden und Abbasiden (661–1258 n. Chr.).
- Beispiel 4: Florales Kufi auf Stuck und Keramik im Alhambra-Palast (Granada, 13.–14. Jh.).
- Beispiel 5: Moderne Logos und Markenzeichen arabischer Unternehmen, die quadratisches Kufi aufgreifen.
- Beispiel 6: Goldenes Kufi-Fries am Felsendom in Jerusalem (7. Jh.), älteste erhaltene monumentale Inschrift des Islam.
In der Praxis
Kufi wird mit einem breit geschnittenen Qalam ausgeführt, kann aber auch konstruiert, also nach Raster gezeichnet werden, besonders das quadratische Kufi. Für Designer/innen ist Kufi attraktiv, weil es sich gut in Raster- und Flächengestaltung einfügt und auch ohne tiefes Schreibtraining nachgebaut werden kann. Wichtig ist das Verständnis der Wortverbindungen, da auch eckige Buchstaben korrekt verkettet werden müssen.
In der Schriftgestaltung wird Kufi seit den 1980er Jahren von arabischen Typografen neu interpretiert. Schriften wie Boutros Kufi und Nafees Kufi greifen das klassische Vokabular auf und übertragen es in digitale OpenType-Systeme. Dabei stellt die korrekte Buchstabenverbindung und der Übergang zwischen Formen eine Herausforderung dar, die bei Lese-Schriften wie Naskh nicht so ausgeprägt ist.
Vergleich & Abgrenzung
Kufi wird häufig mit dem runden Naskh verwechselt, ist aber stilistisch das Gegenteil.
| Merkmal | Kufi | Naskh |
|---|---|---|
| Linienführung | eckig, geometrisch | rund, fließend |
| Hauptverwendung | Architektur, frühe Korane | Buchsatz, Lesetexte |
| Lesbarkeit | dekorativ, teils schwer | hoch |
| Entstehung | 7. Jh. | 10. Jh. normiert |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Kufi und Naskh? Kufi ist eckig und geometrisch und stammt aus der Frühzeit des Islam, während Naskh rund, gut lesbar und für den laufenden Text optimiert ist. Kufi wurde als normierte Buchschrift vom runderen Naskh verdrängt, blieb aber in der Architektur und Ornamentik lebendig.
Wofür wird Kufi heute verwendet? Kufi prägt vor allem dekorative Anwendungen wie Architektur, Fliesen, Logos und Kunst, da seine eckige Form sich gut in geometrische Gestaltung einfügt. Auch in der modernen arabischen Typografie und im Grafikdesign erlebt quadratisches Kufi eine Renaissance.
Ist Kufi eine einheitliche Schrift? Nein. Unter dem Begriff Kufi werden mehrere distinkte Varianten zusammengefasst: frühes historisches Kufi der Koranmanuskripte, quadratisches Bannai-Kufi, florales Kufi und geflochtenes Kufi unterscheiden sich deutlich in Konstruktion und Kontext.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Schimmel, Annemarie (1990): Calligraphy and Islamic Culture. New York University Press.
- Blair, Sheila S. (2006): Islamic Calligraphy. Edinburgh University Press.
- George, Alain (2010): The Rise of Islamic Calligraphy. Saqi Books.
