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Chatbot & Conversational UI bezeichnet die Gestaltung dialogbasierter Interfaces – von einfachen regelbasierten Chatbots bis zu KI-gestützten Assistenten – mit besonderem Fokus auf die sprachliche Gestaltung, Persönlichkeit und Nutzererfahrung.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: UX Writing & Content Design · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Conversational Design, Dialog Design, Bot Writing, Voice UI Writing, Chatbot-Texte

Was ist Chatbot & Conversational UI?

Conversational Interfaces (CUIs) kommunizieren mit Nutzern in natürlicher Sprache – entweder als Text (Chat) oder Sprache (Voice). Sie unterscheiden sich fundamental von grafischen Interfaces: Statt Buttons und Menüs navigieren Nutzer durch Dialog.

Das Schreiben für Conversational UIs ist eine eigene Disziplin innerhalb des UX Writings. Ein guter Dialog-Designer versteht linguistische Prinzipien, kennt die technischen Grenzen von NLP-Systemen und kann Fallback-Szenarien – also Momente, in denen der Bot die Eingabe nicht versteht – so gestalten, dass sie Nutzern weiterhelfen statt sie zu frustrieren.

Erklärung

Regelbasierte vs. KI-gestützte Chatbots

Regelbasierte Chatbots folgen fest definierten Entscheidungsbäumen. Die möglichen Nutzerantworten sind vordefiniert (Quick-Reply-Buttons oder Schlüsselworte). Als UX Writer schreibst du jeden möglichen Dialogzweig explizit aus.

KI-gestützte Chatbots (NLP-Bots) interpretieren freie Texteingaben durch Natural Language Processing. Die Gesprächsverläufe sind weniger vorhersehbar – der UX Writer designt Intentionen (Intents), Antworten (Responses) und Fallback-Szenarien.

LLM-basierte Assistenten (wie GPT-gestützte Chatbots) generieren Antworten dynamisch. Hier liegt die UX-Writing-Aufgabe im System Prompt Design und im Festlegen von Persönlichkeit, Grenzen und Ton.

Die Bausteine des Conversational Designs

1. Persönlichkeit (Bot Persona) Jeder Chatbot braucht eine definierte Persönlichkeit: Wer spricht hier? Hat der Bot einen Namen? Ist er formell oder locker? Hat er Humor?

Die Persona sollte aus dem übergeordneten Tone of Voice für digitale Produkte des Produkts abgeleitet sein – ein professionelles B2B-Tool sollte keinen verspielten Chatbot-Ton haben. Wichtig: Nutzer dürfen nicht täuschen, ob sie mit einem Menschen oder einer Maschine sprechen (EU AI Act, 2024).

2. Gesprächseröffnung (Opening Message) Die Begrüßungsnachricht ist der erste Eindruck – und gleichzeitig eine Orientierungshilfe. Sie sollte erklären:

  • Was der Bot kann (und was nicht)
  • Wie Nutzer interagieren können
  • Optionale Quick-Reply-Buttons für häufige Anliegen

Schlecht:

„Hallo! Wie kann ich helfen?"

Besser:

„Hallo! Ich bin Lumi, dein Support-Assistent. Ich kann dir bei Fragen zu Bestellungen, Retouren und Lieferzeiten helfen. Was möchtest du wissen?"

3. Turns und Turns-Design Ein „Turn" ist ein Gesprächsschritt. Gutes Conversational Design hält einzelne Turns kurz und klar. Chatbot-Nachrichten sollten nicht mehr als 2–3 Sätze enthalten – lange Texte wirken in einem Chat-Fenster überwältigend.

4. Quick Replies und Suggested Actions Vordefinierte Antwortoptionen führen den Dialog strukturiert und reduzieren die kognitive Last für Nutzer. Sie sollten die häufigsten nächsten Schritte abdecken, aber keine künstliche Einschränkung darstellen.

5. Fallback-Texte Fallback-Szenarien sind Momente, in denen der Bot die Eingabe nicht versteht oder keine Antwort hat. Sie sind einer der kritischsten UX-Momente in Chatbots.

Schlechter Fallback:

„Das habe ich nicht verstanden."

Guter Fallback (Level 1 – erste Unklarheit):

„Hmm, da bin ich unsicher. Meinst du eine Frage zur Lieferzeit oder zum Rückgabeprozess?"

Guter Fallback (Level 2 – wiederholte Unklarheit):

„Das übersteigt leider meine Möglichkeiten. Ich verbinde dich mit einem Kollegen aus dem Support." [Zum Support]

Gesprächsstruktur und Flows

Conversational Design nutzt Flow-Diagramme, um alle möglichen Gesprächsverläufe zu visualisieren. Für jeden Intent (z. B. „Bestellung stornieren") wird ein Happy Path und mehrere Error Paths designed.

Typische States in einem Chatbot-Flow:

  • Eingabe erkennen (Intent Detection)
  • Kontext behalten (Entity Tracking)
  • Bestätigung einholen (Confirmation)
  • Abschluss kommunizieren (Closure)

Beispiele

Bestätigungsfrage (Confirmation):

„Du möchtest Bestellung #47821 stornieren. Ist das korrekt?" [Ja, stornieren] [Nein, abbrechen]

Kontextbeibehaltung (Context):

„Deine letzte Bestellung war am 12. Mai. Meinst du diese?" [Ja] [Andere Bestellung]

Humane Übergabe (Human Handoff):

„Für dieses Anliegen braucht es einen unserer Kolleginnen. Ich übergebe dich jetzt – die Wartezeit beträgt ca. 3 Minuten. Dein bisheriges Gespräch wird mitübertragen."

In der Praxis

Conversational Design Tools

Führende Tools für Conversational Design:

  • Voiceflow: Visuelles Flow-Design für Chatbots und Voice
  • Botpress / Rasa: Open-Source-Frameworks mit NLP
  • Dialogflow (Google): NLP-Plattform mit Intent-Management
  • Weitere Tools: vgl. Tools für UX Writer

Testing von Chatbots

Chatbot-Qualität lässt sich testen durch:

  • Wizard of Oz: Mensch spielt Bot, beobachtet reale Nutzersprache
  • Conversation Review: Analyse echter Gesprächsprotokolle auf Abbrüche und Missverständnisse
  • A/B-Tests von Fallback-Texten und Opening Messages: vgl. A/B-Testing von UX-Texten

Barrierefreiheit

Chatbot-Interfaces müssen tastaturnavigierbar sein, Screenreader-kompatible Markups nutzen und Zeit-outs für Antworten zugänglich kommunizieren. Vgl. Barrierefreie Texte.

Vergleich & Abgrenzung

Chatbot vs. FAQ: FAQs sind statische Inhalte; Chatbots führen dynamische Dialoge. Ein gut gestalter Chatbot kann FAQs ersetzen, wenn er Nutzerfragen flexibel interpretieren kann.

Chatbot vs. Voice Assistant: Voice Assistants (wie Alexa) kommunizieren ausschließlich über Sprache – ohne visuelle Elemente. Das erfordert noch kompaktere Turns und keine visuellen Verweise.

Chatbot vs. [Onboarding-Texte und Willkommens-Flows](/wiki/mediendesign-digitale-medien/ux-writing/onboarding-texte/): Onboarding-Texte führen Nutzer einmalig durch einen Einrichtungsprozess. Ein Chatbot kann Onboarding-Elemente übernehmen, ist aber primär für wiederkehrende Interaktionen konzipiert.

Häufige Fragen (FAQ)

Soll ein Chatbot einen menschlichen Namen haben? Das kann die Akzeptanz erhöhen, aber Nutzer müssen stets wissen, dass sie mit einem Bot kommunizieren. Irreführende Bot-Personas sind ethisch problematisch und in der EU reguliert.

Wie viel Humor ist in einem Chatbot angemessen? Abhängig vom Produkt und Kontext. Im Service-Kontext kann ein leichter Ton gut funktionieren; bei kritischen Anliegen (Reklamationen, Notfälle) ist Nüchternheit besser.

Was ist der Unterschied zwischen einem Chatbot und einem LLM-Assistenten? Klassische Chatbots folgen definierten Flows; LLM-Assistenten generieren Antworten dynamisch. Beide brauchen UX-Writing-Arbeit – aber die Methoden unterscheiden sich.

Wie gehe ich mit beleidigenden oder unangemessenen Eingaben um? Gute Chatbots haben Fallbacks für Off-Topic- und unangemessene Eingaben: kurze, neutrale Antwort + Weiterleitung. Keine Eskalation, keine Moral-Urteile.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Giangola, James / Gentle, Jennifer: Voice User Interface Design, Addison-Wesley, 2001
  • Wiggins, Erika Hall: Just Enough Research, A Book Apart, 2013
  • Pearl, Cathy: Designing Voice User Interfaces, O'Reilly Media, 2017
  • Messina, Chris: „Conversational Commerce", Medium, 2015
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