NDA (Non-Disclosure Agreement) ist eine Geheimhaltungsvereinbarung, die festlegt, welche Informationen als vertraulich gelten und wie mit ihnen umgegangen werden darf – typischerweise zwischen Auftraggeber und Kreativdienstleister.
Rubrik: Recht & Wirtschaft · Unterrubrik: Vertragsrecht · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Geheimhaltungsvereinbarung (GHV), Vertraulichkeitsvereinbarung, Verschwiegenheitsvereinbarung
Was ist ein NDA?
In Kreativprojekten teilen Auftraggeber oft sensible Informationen: unveröffentlichte Produktkampagnen, Marktstrategien, interne Daten oder vertrauliche Briefings. Ein NDA stellt sicher, dass diese Informationen nicht an Dritte weitergegeben, nicht für eigene Zwecke genutzt und nicht öffentlich gemacht werden.
NDAs sind in der Kreativbranche Standard – bei Agenturen, Produktionsfirmen, Fotografen und Designern. Sie können als separates Dokument oder als Klausel im Hauptvertrag erscheinen.
Erklärung
Typen von NDAs
Einseitiges NDA (one-way NDA): Nur eine Partei gibt Informationen preis, nur die andere verpflichtet sich zur Geheimhaltung. Häufigste Form in der Kreativbranche: Der Auftraggeber teilt Briefing-Materialien mit dem Kreativen.
Gegenseitiges NDA (mutual NDA / two-way NDA): Beide Parteien tauschen vertrauliche Informationen aus und verpflichten sich gegenseitig. Typisch bei Agentur-zu-Agentur-Kooperationen oder Co-Produktionen.
Kernelemente eines NDA
1. Definition vertraulicher Informationen Was gilt als vertraulich? Möglichst präzise formulieren:
- Briefings, Strategiepapiere, Konzepte
- Kundendaten und Kontaktinformationen
- Unveröffentlichte Werke (Designs, Texte, Prototypen)
- Finanzinformationen
- Technische Spezifikationen
2. Ausnahmen von der Geheimhaltungspflicht Typische Ausnahmen, die in keinem NDA fehlen sollten:
- Informationen, die dem Empfänger bereits bekannt waren
- Informationen, die öffentlich zugänglich werden (nicht durch Verschulden des Empfängers)
- Informationen, die von einem Dritten legal erhalten wurden
- Gesetzliche Offenbarungspflichten (z.B. vor Gericht)
3. Verpflichtungen des Empfängers
- Keine Weitergabe an Dritte ohne Zustimmung
- Nutzung nur für den vereinbarten Zweck
- Gleiche Sorgfalt wie bei eigenen vertraulichen Informationen
4. Laufzeit Wie lange gilt die Geheimhaltungspflicht? Gängige Regelungen:
- Für die Dauer der Zusammenarbeit + X Jahre danach (z.B. 2–5 Jahre)
- Bis zur Veröffentlichung des Projekts
- Unbefristet (für besonders sensible Informationen wie Geschäftsgeheimnisse)
5. Rechtsfolgen bei Verletzung
- Schadensersatzansprüche (schwer zu beziffern)
- Vertragsstrafe als pauschalierter Schadensersatz (→ Vertragsstrafe und Pönale)
- Unterlassungsanspruch (einstweilige Verfügung möglich)
Besonderheiten für Kreative
Referenzrecht vs. Geheimhaltung: Ein klassischer Konflikt: Kreative wollen Projekte im Portfolio zeigen, Auftraggeber wollen Diskretion. Lösung: Im NDA explizit festhalten, wann und wie Referenznutzung erlaubt ist (z.B. nach Projektveröffentlichung durch den Auftraggeber).
Sub-Auftragnehmer: Wenn der Kreative selbst Sub-Auftragnehmer einsetzt (z.B. Cutter, Layouter), müssen diese ebenfalls zur Geheimhaltung verpflichtet werden. Das NDA sollte diese Pflicht ausdrücklich übertragen.
Digitale Sicherheit: Das NDA regelt die rechtliche Pflicht – technische Maßnahmen (verschlüsselte Dateiübertragung, sichere Cloud-Speicherung) sind zusätzlich erforderlich, aber nicht im NDA geregelt.
Das Geschäftsgeheimnisgesetz (GeschGehG)
Seit 2019 gilt in Deutschland das Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen (GeschGehG), das die EU-Richtlinie 2016/943 umsetzt. Es schützt Geschäftsgeheimnisse auch ohne NDA – aber nur, wenn der Inhaber angemessene Schutzmaßnahmen ergriffen hat. Ein NDA ist eine solche Schutzmaßnahme.
Das Gesetz schafft auch Ausnahmen: Investigativer Journalismus, Whistleblowing und die Nutzung von Know-how, das im Gedächtnis haften geblieben ist ("residual knowledge"), sind nicht vom GeschGehG erfasst.
Beispiele
Beispiel 1 – Produktlancierung: Agentur A erhält das Briefing für eine noch nicht angekündigte Produktlancierung. NDA: einseitig, 3 Jahre nach Projektende, Vertragsstrafe 20.000 € bei Verletzung, Referenz-Freigabe nach Kampagnenstart erlaubt.
Beispiel 2 – Kooperation zweier Agenturen: Zwei Agenturen pitchen gemeinsam für einen Großkunden. Gegenseitiges NDA: Briefing-Materialien und Konzeptideen beider Seiten sind geschützt. Laufzeit: Projektdauer + 2 Jahre.
Beispiel 3 – Fotoproduktion für Pharma: Pharmaunternehmen P beauftragt Fotografin F für interne Kampagne. NDA: keine Veröffentlichung der Bilder durch F ohne schriftliche Freigabe, keine Nennung des Kunden, Bilder nicht im Portfolio vor Freigabe.
In der Praxis
Wann ein NDA sinnvoll ist
- Vor Beginn eines Pitches oder einer Konzeptpräsentation
- Bei der Übergabe sensibler Briefingmaterialien
- Bei Kooperationen mit anderen Agenturen oder Freelancern
- Bei der Entwicklung unveröffentlichter Inhalte
Häufige Fehler
- Zu vage Definition von "vertraulich": Wenn alles vertraulich ist, ist es das in der Praxis nicht.
- Keine Ausnahmen für Sub-Auftragnehmer: Führt zu Problemen, wenn externe Mitarbeiter ins Projekt einbezogen werden.
- Unbefristetes NDA für nicht-sensible Inhalte: Unverhältnismäßig und schwer durchsetzbar.
- Kein Referenzrecht geregelt: Klassischer Streitpunkt zwischen Auftraggeber und Kreativen.
NDA und AGB für Kreative
NDAs können als separate Vereinbarung oder als Klausel in den AGB integriert werden. Empfehlenswert: separate Unterzeichnung bei sensiblen Projekten – das signalisiert Ernsthaftigkeit und schafft klare Rechtsverhältnisse.
Vergleich & Abgrenzung
| Kriterium | NDA | Wettbewerbsverbot | Datenschutzerklärung |
|---|---|---|---|
| Schützt | Informationen | Tätigkeiten | Personenbezogene Daten |
| Verpflichtet | Informationsempfänger | Auftragnehmer | Datenverarbeiter |
| Dauer | Vereinbart | Vertraglich, max. 2 Jahre | Gesetzlich |
| Rechtsnorm | GeschGehG, BGB | § 74 HGB analog | DSGVO |
Häufige Fragen (FAQ)
Ist ein NDA auch ohne Unterschrift bindend? Ein mündliches NDA ist theoretisch möglich, aber kaum beweisbar. Schriftlichkeit ist Pflicht.
Was gilt als "angemessene Vertragsstrafe"? Das hängt vom wirtschaftlichen Wert der geschützten Information ab. 5.000–50.000 € sind in der Kreativbranche gängig. Gerichte können unverhältnismäßig hohe Vertragsstrafen reduzieren.
Darf ich unter NDA einem Anwalt berichten? Ja. Rechtsbeistand ist eine klassische Ausnahme von der Geheimhaltungspflicht – sollte aber im NDA ausdrücklich erwähnt werden.
Gilt das NDA auch für Mitarbeiter meines Studios? Nur, wenn es entsprechend formuliert ist. Der Inhaber/die Inhaberin muss sicherstellen, dass Mitarbeiter ebenfalls verpflichtet sind.
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Weiterführend
- Köhler, Helmut / Bornkamm, Joachim / Feddersen, Jörn: UWG, 41. Aufl. 2023, § GeschGehG
- Bundesministerium der Justiz: Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen (GeschGehG) (2019), www.gesetze-im-internet.de
- Maaßen, Stefan: Geheimhaltungsvereinbarungen in der Praxis, NJW 2019, S. 1300 ff.
- International Association of Privacy Professionals (IAPP): NDAs and Privacy: Intersection Points (2022)
