Ein Treatment ist ein Entwicklungsdokument für einen Film, das die Handlung szenisch ausformuliert, alle wesentlichen Figuren und Wendepunkte beschreibt und als Vorlage oder Verkaufsdokument dient – in der Regel zwischen 10 und 30 Seiten lang.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Drehbuch & Konzept · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Step Outline (als detailliertere Variante), Prosaentwurf, Story Treatment
Was ist ein Treatment?
Das Treatment ist eines der wichtigsten Dokumente in der Drehbuchentwicklung. Es entsteht nach dem Exposé und der Synopsis, jedoch vor dem eigentlichen Drehbuch. Ein Treatment beschreibt die Geschichte in erzählender Prosa, Szene für Szene oder Sequenz für Sequenz, ohne dabei das formalisierte Drehbuch-Format mit Regieanweisungen und exaktem Dialog zu verwenden. Es dient dem Autor als Strukturierungswerkzeug und gleichzeitig dem Produzenten oder Sender als Entscheidungsgrundlage für eine Förderung oder Beauftragung.
Erklärung
Ein professionelles Treatment enthält typischerweise folgende Elemente:
- Titelblatt mit Projekttitel, Autorenname, Kontaktdaten und Datum
- Logline (ein bis zwei Sätze, die Kernprämisse der Geschichte)
- Genre und Format (Spielfilm, Serie, Dokumentarfilm)
- Figuren – kurze Charakterprofile der Hauptfiguren (3–5 Sätze pro Figur)
- Handlungsdarstellung – die Geschichte in Prosaform, im Präsens geschrieben, szenisch strukturiert, mit allen relevanten Wendepunkten
Der Schreibstil im Treatment unterscheidet sich vom Drehbuch: Er ist narrativer, literarischer, aber noch nicht so präzise wie das fertige Skript. Dialoge werden allenfalls paraphrasiert oder exemplarisch angedeutet. Die Erzählzeit ist immer Gegenwart (Präsens), weil das Treatment die Illusion vermitteln soll, dass der Film gerade abläuft.
Die Länge variiert je nach Kontext: In der deutschen Filmförderung (FFA, Länderförderungen) gelten 10–20 Seiten als Standard. US-amerikanische Studios erwarten oft ausführlichere Step Outlines von 30–60 Seiten. Für Fernsehproduktionen in Deutschland fordert die ARD/ZDF-Redaktion häufig kürzere Treatments von 8–15 Seiten.
Der Nutzen des Treatments liegt darin, dass strukturelle Probleme (fehlende Motivation, unrealistische Wendungen, schwacher zweiter Akt) erkennbar werden, bevor zeitaufwändig Dialoge und Szenen ausformuliert werden. Ein Treatment ist leicht überarbeitbar – ein vollständiges Drehbuch nicht.
Beispiele
- Förderantrag Spielfilm: Für eine Antragstellung beim Deutschen Filmförderfonds (DFFF) oder der FilmFörderung Hamburg Schleswig-Holstein wird in der Regel ein Treatment von 15–20 Seiten verlangt, das Figuren, Handlung und Konflikt darstellt.
- TV-Serie: Ein Serientreatment beschreibt typischerweise die Serienidee (Pilotfolge + Staffelkonzept), die Hauptfiguren und die Welt der Serie – oft 20–30 Seiten für einen Pitch bei einem Sender.
- Dokumentarfilm: Beim Dokumentarfilm ersetzt das Treatment oft den Erzählfilm-Ansatz durch eine Strukturskizze: Welche Protagonisten werden begleitet? Welche Dramaturgie ist geplant? Welche Schlüsselszenen sind vorgesehen?
- Rewriter-Situation: Wird ein neuer Autor hinzugezogen, schreibt er zunächst ein Treatment basierend auf dem bestehenden Material, um seinen Ansatz zu skizzieren, bevor er das Drehbuch überarbeitet.
- Übung: Schreiben Sie ein Treatment Ihres Kurzfilmprojekts auf 5 Seiten: Figuren (je 3 Sätze), Handlung in Präsens (szenisch, ohne Dialog), alle Wendepunkte explizit benannt.
In der Praxis
Beim Schreiben eines Treatments empfiehlt sich die Struktur: Figuren → Handlung → ggf. thematische Aussage. Schreiben Sie immer im Präsens und in der dritten Person. Vermeiden Sie Passivkonstruktionen – das Treatment soll Energie ausstrahlen. Nutzen Sie aktive, bildhafte Sprache, die die Atmosphäre des Films transportiert. In Deutschland ist das Treatment oft das erste Dokument, das Förderinstitutionen und Redaktionen prüfen – daher sollte es formal sauber und professionell gestaltet sein.
Vergleich & Abgrenzung
Das Exposé ist kürzer (1–5 Seiten) und dient dem ersten Pitch – es zeigt, ob die Idee trägt. Die Synopsis fasst die fertige Geschichte kompakt zusammen, oft für Programmhefte oder Pressematerial. Das Drehbuch ist das fertige Werk im formatierten Skript-Format. Das Treatment steht zwischen Exposé und Drehbuch und ist das eigentliche Arbeits- und Kommunikationsdokument der Entwicklungsphase.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie unterscheidet sich ein Treatment von einer Step Outline? Eine Step Outline (oder Szenenliste) listet die Szenen kurz und stichpunktartig auf. Das Treatment beschreibt dieselben Szenen in ausformulierter Prosa – es ist narrativer und lesbarer, aber weniger präzise in der Szenenabfolge.
Muss ein Treatment exakt dem späteren Drehbuch entsprechen? Nein. Ein Treatment ist ein Entwicklungsdokument – es darf und soll im Schreibprozess verändert werden. Viele Szenen werden im Drehbuch anders gelöst als im Treatment angedacht. Wichtig ist, dass das Treatment die dramaturgische Logik der Geschichte schlüssig darstellt.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Hant, Peter (1999): Das Drehbuch. Praktische Filmdramaturgie. Zweitausendeins.
- Cooper, Dona / Dancyger, Ken (2005): Writing the Short Film. 3. Aufl. Focal Press.
- Schütte, Oliver (2010): Die Kunst des Drehbuchlesens. UVK Verlagsgesellschaft.
- Online: Deutsches Filminstitut – Förderantrag-Richtlinien: www.ffa.de
