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Content Audit ist die systematische Erfassung, Kategorisierung und Bewertung aller Inhalte eines digitalen Produkts oder einer Website – mit dem Ziel, Stärken, Schwächen und Handlungsbedarf zu identifizieren.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: UX Writing & Content Design · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Content Inventory, Inhaltsanalyse, Inhaltsprüfung, Bestandsaufnahme


Was ist ein Content Audit?

Digitale Produkte wachsen. Websites akkumulieren über Jahre hunderte oder tausende Seiten; Apps akkumulieren Texte in Fehlermeldungen, Onboarding-Flows, Hilfetexten und E-Mails. Ohne regelmäßige Bestandsaufnahme entstehen Inkonsistenzen, veraltete Informationen und redundante Inhalte.

Ein Content Audit ist die methodische Antwort auf dieses Problem: Alle Inhalte werden erfasst, kategorisiert und nach definierten Kriterien bewertet. Das Ergebnis ist eine Entscheidungsgrundlage für Konsolidierung, Überarbeitung, Löschung oder Neuerstellung.


Erklärung

Ziele eines Content Audits

Content Audits dienen verschiedenen Zwecken:

Qualitätssicherung: Welche Texte sind veraltet, inkonsistent oder fehlerhaft? Welche erfüllen den Tone of Voice in digitalen Produkten nicht?

Vorbereitung eines Redesigns: Vor einem Website-Relaunch zeigt der Audit, welche Inhalte übernommen, überarbeitet oder gelöscht werden sollten.

SEO-Optimierung: Welche Inhalte performen in der Suche? Welche nicht? (→ SEO und UX Writing verbinden)

Content-Strategie-Entwicklung: Was fehlt? Welche Zielgruppen-Bedürfnisse sind nicht abgedeckt?

Internationalisierung: Welche Inhalte müssen für Lokalisierung und Übersetzung von UX-Texten vorbereitet werden?

Typen von Content Audits

Quantitativer Audit (Content Inventory): Reine Bestandsaufnahme: Wie viele Seiten/Screens/Texte gibt es? Welche URLs, Titel, Metadaten? Kein Qualitätsurteil, nur Erfassung.

Qualitativer Audit: Bewertung der erfassten Inhalte nach definierten Kriterien (Aktualität, Korrektheit, Ton, SEO-Performance, etc.).

Kombinierter Audit: Beides zusammen – der Regelfall in der Praxis.

Kriterien für die Bewertung

Ein Content Audit bewertet Inhalte typischerweise nach:

  • Aktualität: Ist die Information noch korrekt? Wann wurde sie zuletzt aktualisiert?
  • Qualität: Entspricht der Text den Qualitätsstandards? (Plain Language: Verständlich schreiben, Tone of Voice in digitalen Produkten)
  • Relevanz: Ist der Inhalt für die Zielgruppe noch relevant?
  • Konsistenz: Stimmt die Terminologie mit dem Style Guide überein?
  • Performance: Wie performen die Inhalte (Seitenaufrufe, Verweildauer, Konversion)?
  • Zugänglichkeit: Entsprechen Texte (Alt-Texte, strukturelle Beschriftungen) den Anforderungen?
  • Empfehlung: Behalten / Überarbeiten / Zusammenführen / Löschen

Durchführung: Schritt für Schritt

1. Scope definieren: Was wird geprüft? Gesamte Website? Nur ein bestimmter Produktbereich? Nur Interface-Texte? Scope klar eingrenzen.

2. Inhalte erfassen: Für Websites: Crawling-Tools (Screaming Frog, Sitebulb) exportieren alle URLs automatisch. Für Apps: Manuell durchgehen oder aus dem Translation-Management-System exportieren.

3. Bewertungsraster erstellen: Spreadsheet mit definierten Spalten: URL/Screen, Titel, Letztes Update, Kriterien-Bewertungen (1–3 oder gut/mittel/schlecht), Empfehlung, Verantwortliche Person.

4. Bewertung durchführen: Jeder Inhalt wird nach dem Raster bewertet. Bei größeren Audits kann die Arbeit auf mehrere Personen aufgeteilt werden – mit vorherigem Alignment über die Kriterien.

5. Erkenntnisse zusammenfassen: Was sind die häufigsten Muster? Welche Bereiche brauchen dringend Aufmerksamkeit?

6. Maßnahmenkatalog ableiten: Priorisierte Liste mit konkreten Handlungsempfehlungen und verantwortlichen Personen.


Beispiele

Auszug aus einem Content-Audit-Spreadsheet

Screen/URLTitelLetztes UpdateAktualitätQualitätEmpfehlung
/fehler-404404-Seite2021-03VeraltetSchlechtÜberarbeiten
/hilfe/passwortPasswort zurücksetzen2023-10AktuellGutBehalten
/hilfe/konto-1Kontoverwaltung2019-05VeraltetMittelZusammenführen
/hilfe/konto-2Konto verwalten2022-01AktuellMittelZusammenführen

In der Praxis

Content Audits sind zeitaufwändig, werden aber von Organisationen oft unterschätzt. Ein erfahrener Content Designer kann einen Audit für ein mittleres Produkt in mehreren Wochen durchführen; große Websites können Monate erfordern.

Die Ergebnisse eines Audits sind nur dann wertvoll, wenn sie zu konkreten Maßnahmen führen. Ein Audit ohne Follow-up-Aktionen verschwendet Ressourcen. Daher sollte der Audit von Anfang an in ein Redaktionsprojekt eingebettet sein.

Regelmäßige Mini-Audits (z. B. eines bestimmten Produktbereichs pro Quartal) sind nachhaltiger als seltene Gesamt-Audits.


Vergleich & Abgrenzung

Content Audit vs. Content Inventory: Content Inventory ist der quantitative Teil (Bestandsliste); Content Audit ist die qualitative Bewertung. In der Praxis oft synonym verwendet.

Content Audit vs. UX Audit: Ein UX Audit bewertet die Nutzererfahrung des gesamten Interfaces (nicht nur Texte). Textbezogene Befunde können Bestandteil eines UX Audits sein.

Content Audit vs. [SEO und UX Writing verbinden](/wiki/mediendesign-digitale-medien/ux-writing/seo-ux-writing/)-Analyse: Eine SEO-Analyse ist ein spezieller Content Audit mit Fokus auf Suchperformance. Sie kann Teil eines umfassenderen Content Audits sein.


Häufige Fragen (FAQ)

Wie oft sollte ein Content Audit stattfinden? Für aktive Produkte: mindestens einmal pro Jahr für kritische Bereiche, vor jedem größeren Relaunch, und nach größeren Produktveränderungen.

Welche Tools helfen beim Content Audit? Screaming Frog oder Sitebulb für Website-Crawling; Google Analytics für Performance-Daten; Airtable oder Google Sheets für die Bewertungsmatrix; Contentful oder andere CMS für Content-Management.

Brauche ich technische Kenntnisse für einen Content Audit? Für Website-Audits sind Grundkenntnisse in Web-Crawling und Analytics hilfreich. Für App-Interface-Audits reicht oft ein systematisches, manuelles Vorgehen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Halvorson, Kristina / Rach, Melissa (2012): Content Strategy for the Web. New Riders. 2. Aufl. Kap. Content Audit.
  • Bloomstein, Margot (2012): Content Strategy at Work. Morgan Kaufmann.
  • Nielsen Norman Group: „Content Audits in UX". www.nngroup.com (Stand: 2023).
  • Screaming Frog: SEO Spider. screamingfrog.co.uk (Tool, Stand: 2024).
  • Brain Traffic: Content Audit Checklist. braintraffic.com (Stand: 2023).
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