Ein UX-Writing-Portfolio ist eine kuratierte Sammlung von Fallstudien, die zeigen, wie ein UX Writer Nutzerprobleme durch Sprache löst – mit Fokus auf Prozess, Entscheidungen und messbare Ergebnisse.
Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: UX Writing & Content Design · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Writing Portfolio, Content Design Portfolio, Arbeitsproben
Was ist ein UX-Writing-Portfolio?
Anders als ein klassisches Schreib- oder Journalismus-Portfolio, das fertige Texte zeigt, demonstriert ein UX-Writing-Portfolio vor allem den Denkprozess: Wie hat der Writer das Problem verstanden? Welche Alternativen hat er erwogen? Welche Entscheidungen hat er getroffen und warum? Was waren die Ergebnisse?
Das ist der entscheidende Unterschied: Hiring Manager in Produktunternehmen suchen keine brillanten Texte allein – sie suchen UX Writer, die strategisch denken, mit Teams zusammenarbeiten können und messbare Verbesserungen erzielen.
Erklärung
Was in ein UX-Writing-Portfolio gehört
Fallstudien (Case Studies): Das Herzstück jedes Portfolios. Jede Fallstudie zeigt ein konkretes Projekt von Problem bis Ergebnis:
- Kontext: Was war das Produkt, die Situation, das Nutzerproblem?
- Herausforderung: Was war der spezifische UX-Writing-Auftrag?
- Prozess: Research, Drafting, Feedback, Iteration – wie verlief die Arbeit?
- Vorher/Nachher: Konkrete Textbeispiele als direkter Vergleich
- Ergebnis: Was hat sich verbessert? (wenn verfügbar: Daten, Metriken)
Anzahl: 3–5 Fallstudien sind ideal. Qualität schlägt Quantität.
Breite: Verschiedene Kontexte zeigen (z. B. Onboarding-Texte und Willkommens-Flows, Fehlermeldungen nutzerfreundlich schreiben, Call-to-Action Texte schreiben, Tone of Voice in digitalen Produkten).
Fallstudien ohne Berufserfahrung
Wer in das Berufsfeld einsteigt, hat noch keine professionellen Projekte vorzuzeigen. Es gibt legale und ethische Wege, das Portfolio trotzdem aufzubauen:
Redesign-Projekte: Bestehende Produkte analysieren und UX-Writing-Verbesserungen vorschlagen. Klar als „Übungsprojekt" oder „Konzeptstudie" kennzeichnen.
Fiktive Produkte: Eine selbst erdachte App oder einen Service entwickeln und die UX-Texte dafür gestalten. Kreative Freiheit, keine Rechtsfragen.
Volunteer-Projekte: NGOs oder gemeinnützige Projekte brauchen oft Hilfe mit digitalen Texten – und bieten echte Praxis.
Open Source: Viele Open-Source-Projekte suchen Content-Unterstützung. GitHub-Contributions können im Portfolio verlinkt werden.
Format des Portfolios
Website: Das professionellste Format. Eigene Domain wirkt überzeugend. Tools: Notion (public page), Cargo, Squarespace, Webflow, eigene HTML-Seite.
PDF: Gut für Bewerbungen, schlecht für aktuell halten.
Medium/Substack: Für längere Case Studies gut geeignet, aber schlechtere Kontrolle über Darstellung.
Notion: Einfach zu starten, kann schön aussehen, kostenlos – guter Einstieg für Berufseinsteiger.
Was ein Portfolio NICHT sein sollte
- Eine Sammlung von Texten ohne Kontext
- Ein Lebenslauf mit Textbeispielen
- Screenshots von Interface-Texten ohne Erklärung
- Zu lang: Mehr als 3 Klicks bis zum relevanten Inhalt ist zu viel
Vertraulichkeit
In der Praxis ist Vertraulichkeit ein häufiges Problem: Viele Arbeitgeber verbieten das öffentliche Zeigen von Interna. Mögliche Lösungen:
- Passwortgeschützte Portfolio-Abschnitte für vertrauliche Arbeit
- Abstrakte Beschreibung des Projekts ohne Markennamen
- Case Studies in Bewerbungsgesprächen zeigen (nicht öffentlich)
- Ausdrückliche Genehmigung des Arbeitgebers einholen
Beispiele
Struktur einer Case Study (Kurzform)
Titel: Fehlermeldungen bei der Checkout-Flow-Optimierung
Kontext: E-Commerce-App, hohe Abbruchrate im Bezahlprozess.
Herausforderung: Die Fehlermeldungen bei Kreditkarten-Problemen waren technisch und führten zu Anrufen beim Kundendienst.
Prozess: Analyse von Support-Protokollen → Identifikation der häufigsten Fehlerquellen → 3 Textvarianten verfasst → Nutzertests → Finale Version.
Ergebnis: Support-Anfragen zu Checkout-Problemen sanken um 23 % nach der Einführung neuer Fehlermeldungen.
In der Praxis
Portfolio-Aufbau ist ein kontinuierlicher Prozess. Berufseinsteiger bauen es über Monate auf; erfahrene UX Writer pflegen es laufend und fügen neue Projekte hinzu.
Networking in der UX-Community (UX Writing Hub, Slack-Gruppen, LinkedIn) hilft, Feedback auf das Portfolio zu bekommen und Chancen zu entdecken. Viele Einstiegspositionen werden durch persönliche Empfehlungen besetzt.
Die Kombination aus starkem Portfolio und aktivem LinkedIn-Profil (mit UX-Writing-Inhalten) ist heute der effektivste Weg in das Berufsfeld.
Vergleich & Abgrenzung
UX Writing Portfolio vs. klassisches Schreib-Portfolio: Klassische Portfolios zeigen Texte als Produkt; UX Writing Portfolios zeigen Texte als Teil eines Problemlösungsprozesses.
Portfolio vs. Lebenslauf: Der Lebenslauf listet Stationen auf; das Portfolio beweist Fähigkeiten mit konkreten Beispielen. Beide ergänzen sich.
Portfolio vs. [UX Writer: Berufsbild und Karriere](/wiki/mediendesign-digitale-medien/ux-writing/ux-writer-beruf/) Karriere-Pfad: Das Portfolio ist das Werkzeug; der Karrierepfad ist die Richtung. Wer den Beruf verstehen will, liest den Berufsbild-Eintrag; wer ein Portfolio aufbauen will, diesen.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie beginne ich, wenn ich null Erfahrung habe? Mit einem Redesign-Projekt eines bestehenden Produkts. Wähle ein Produkt, das du kennst, analysiere die Schwachstellen in den UX-Texten, und zeige, wie du es besser machen würdest. Klar als Übung kennzeichnen.
Brauche ich Designkenntnisse für ein gutes Portfolio? Nicht zwingend. Aber ein optisch ansprechendes Portfolio hinterlässt einen besseren Eindruck. Investiere zumindest in ein sauberes, lesbares Layout.
Soll ich meine Kontaktdaten im Portfolio zeigen? Ja, unbedingt. Eine E-Mail-Adresse und ein LinkedIn-Link sind Minimum. Hiring Manager, die das Portfolio interessant finden, müssen dich kontaktieren können.
Verwandte Einträge
- UX Writer: Berufsbild und Karriere
- UX Writing: Schreiben für Interfaces
- Tools für UX Writer
- Content Design als Disziplin
Weiterführend
- UX Writing Hub: „How to Build a UX Writing Portfolio". uxwritinghub.com (Stand: 2024).
- Torrey Podmajersky (2019): Strategic Writing for UX. O'Reilly Media. Anhang: Karriere.
- LinkedIn Learning: „Become a UX Writer". linkedin.com/learning (Stand: 2024).
- Figma Portfolio Templates für UX Writer. community.figma.com (Stand: 2024).
- Content Design London: „Getting into Content Design". contentdesign.london (Stand: 2024).
