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Volker Schlöndorff (1939) ist ein deutscher Filmregisseur, der als Mitbegründer des Neuen Deutschen Films mit Die Blechtrommel* den ersten deutschen Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewann.

Rubrik: Einflussreiche Persönlichkeiten · Unterrubrik: Regisseure · Niveau: Einsteiger Auch bekannt als: Meister der Literaturverfilmung

Wer ist Volker Schlöndorff?

Volker Schlöndorff ist einer der bedeutendsten Vertreter des Neuen Deutschen Films der 1960er bis 1980er Jahre. Sein bekanntestes Werk, die Verfilmung von Günter Grass' Roman Die Blechtrommel (1979), gewann sowohl die Goldene Palme in Cannes als auch den Oscar für den besten fremdsprachigen Film – als erster deutscher Film überhaupt. Schlöndorff ist dabei vor allem als Meister der anspruchsvollen Literaturverfilmung bekannt: Er adaptierte Werke von Heinrich Böll, Arthur Miller und Margaret Atwood für die Leinwand.

Leben und Werk

Volker Schlöndorff wurde am 31. März 1939 in Wiesbaden geboren. Er wuchs zum Teil in Frankreich auf und studierte in Paris an der IDHEC, der renommierten französischen Filmhochschule. In dieser Zeit assistierte er Regisseuren wie Louis Malle, Alain Resnais und Jean-Pierre Melville – Prägungen, die seinen späteren Stil nachhaltig beeinflussten.

Seinen Debütfilm Der junge Törless (1966) basierte er auf Robert Musils Roman über Sadismus und Mitläufertum in einer Kadettenschule. Der Film wurde in Cannes gezeigt und etablierte Schlöndorff sofort als wichtige Stimme des sich formierenden Neuen Deutschen Films. Zusammen mit Alexander Kluge, Edgar Reitz, Werner Herzog, Rainer Werner Fassbinder und Wim Wenders unterzeichnete er 1962 das Oberhausener Manifest, das einen radikalen Neuanfang des deutschen Kinos forderte.

In den folgenden Jahren realisierte Schlöndorff eine Reihe bemerkenswerter Literaturadaptionen: Michael Kohlhaas – Der Rebell (1969) nach Kleist, Die Verlorene Ehre der Katharina Blum (1975) nach Heinrich Böll (zusammen mit seiner damaligen Ehefrau Margarethe von Trotta) und Der Fangschuss (1976) nach Marguerite Yourcenar. Diese Filme zeichneten sich durch präzises politisches Bewusstsein, handwerkliche Sorgfalt und ein starkes Interesse an historisch-gesellschaftlichem Kontext aus.

Der internationale Durchbruch gelang mit Die Blechtrommel (1979), einer opulenten Verfilmung des Grass-Romans über Oskar Matzerath, der sich entschließt, nicht mehr zu wachsen. Der Film verband grotesken Humor mit bitterem historischem Ernst und zeigte das Versagen des Bürgertums gegenüber dem Nationalsozialismus. Das Doppelpreisgekrönte Werk machte Schlöndorff weltweit bekannt.

In den folgenden Jahrzehnten arbeitete Schlöndorff verstärkt international: Death of a Salesman (1985) mit Dustin Hoffman, The Handmaid's Tale (1990) nach Margaret Atwood und das deutsch-französische Projekt Der neunte Tag (2004) über einen luxemburgischen Priester im Konzentrationslager Dachau zeigen die Bandbreite seines Werkes. Von 1992 bis 1997 leitete er das Babelsberg-Studio in Potsdam und trieb dessen Neuaufstellung nach der Wiedervereinigung maßgeblich voran.

Schlöndorff ist bis heute aktiv. Sein Film Diplomatie (2014) über die Verhandlungen, die Paris 1944 vor der Zerstörung bewahrten, und Der Waldmacher (2021) über Agroforstwirtschaft in Afrika beweisen sein anhaltendes Engagement für politisch relevante Stoffe.

Wichtige Filme

  1. Der junge Törless (1966) – Debütfilm nach Robert Musil; eindringliche Studie über Mitläufertum, Sadismus und moralisches Versagen in einer deutschen Kadettenschule.
  2. Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1975) – Co-Regie mit Margarethe von Trotta nach Heinrich Böll; scharfe Kritik an Boulevardjournalismus und staatlicher Repression.
  3. Die Blechtrommel (1979) – Oscar und Goldene Palme; Günter Grass' magisch-realistisches Epos über das Bürgertum im Nationalsozialismus, erzählt durch die Augen des kleinen Oskar Matzerath.
  4. The Handmaid's Tale (1990) – Internationale Produktion nach Margaret Atwoods dystopischem Roman über totalitäre Unterdrückung von Frauen.
  5. Diplomatie (2014) – Zwiegespräch über die Rettung von Paris 1944; Kammerspiel mit Niels Arestrup und André Dussollier als moralisches Duell.

Einfluss auf das Kino

Schlöndorffs Beitrag zur deutschen Filmgeschichte liegt vor allem in zweierlei: Erstens half er, dem deutschen Kino nach Jahrzehnten des künstlerischen Stillstands internationale Sichtbarkeit zurückzugeben. Der Oscar für Die Blechtrommel öffnete Türen für eine ganze Generation deutscher Filmemacher. Zweitens etablierte er ein Modell des politisch engagierten, literarisch fundierten Autorenfilms, das zeigt, wie gesellschaftliche Kritik und erzählerische Qualität sich nicht ausschließen.

Als Leiter des Babelsberger Studios trug er außerdem zur Infrastruktur des deutschen Films nach der Wiedervereinigung bei – eine oft unterschätzte institutionelle Leistung.

Vergleich & Abgrenzung

Im Vergleich zu seinen Generationsgenossen ist Schlöndorff der vielleicht handwerklich konventionellste unter den Vertretern des Neuen Deutschen Films. Fassbinder provoziert und überhöht, Herzog philosophiert und riskiert, Wenders schwelgt in Atmosphäre – Schlöndorff hingegen dient dem Text und dem Thema. Sein Kino ist weniger auktorial als das seiner Weggefährten, dafür zugänglicher und publikumswirksamer.

Was ihn von anderen Literaturverfilmern unterscheidet, ist sein Gespür für den sozialen Kontext literarischer Stoffe: Bei ihm werden Romane nicht illustriert, sondern politisch gelesen und neu kontextualisiert.

Häufige Fragen (FAQ)

Was macht Volker Schlöndorffs Filmstil besonders? Schlöndorffs Stärke liegt in der Verbindung von literarischer Treue und politischem Instinkt. Er versteht es, komplexe Romane so zu verdichten, dass ihre gesellschaftliche Dimension im Film nicht verloren geht, sondern an Schärfe gewinnt. Sein Handwerk ist elegant und uneitel – die Geschichte steht im Vordergrund, nicht der Stil um seiner selbst willen.

Welcher Film ist der Einstieg für Neulinge? Die Blechtrommel (1979) ist der unbedingte Pflichtstart: Er ist zugänglich, packend, historisch bedeutsam und visuell unvergesslich. Als zweiten Film empfiehlt sich Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1975), der mit seiner Medienkritik bis heute nichts an Aktualität verloren hat.

Weiterführend

  • Volker Schlöndorff: Licht, Schatten und Bewegung – Mein Leben und meine Filme (2008)
  • Hans Günther Pflaum & Hans Helmut Prinzler: Film in der Bundesrepublik Deutschland (1992)
  • Vollständige Filmografie: Volker Schlöndorff auf IMDb
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